• Document: DER BÖHMISCHE ZINNBERGBAU IN SEINEN BEZIEHUNGEN ZUM SÄCHSISCHEN ZINNBERGBAU
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DER BÖHMISCHE ZINNBERGBAU IN S E I N E N B E Z I E H U N G E N ZUM SÄCHSISCHEN ZINNBERGBAU Von Siegfried Sieb er Es soll hier nicht eine Geschichte des Zinnbergbaus in Böhmen vorgelegt werden, denn darüber sind Bücher und Aufsätze vorhanden 1 ; auch über ein- zelne wichtige Zinnorte liegen Arbeiten vor2. Hier gilt es, die zu jeder Zeit engen Beziehungen der böhmischen Zinner zu Sachsen herauszuarbeiten. Sie ergeben sich aus der Natur des Erzgebirges, wo der Granit der hauptsächliche Träger des Zinnsteins (Zwitters) ist und besondere Zwittergänge oder Zwitterstöcke ausgebildet hat. Beiderseits der sächsisch-böhmischen Grenze dehnt sich der berühmte Karlsbad-Eibenstocker Granit aus, und im Osterz- gebirge werden die Zinnvorkommen bei Graupen und Altenberg, die Granit- inseln am Mückenberg, bei Sächsisch und Böhmisch Zinnwald ebenfalls von der Landesgrenze durchschnitten. Das Schlaggenwalder Bergbaugebiet gehört noch zum Erzgebirgsgranit, der hier im Gegensatz zum erzarmen Elbogener Granit stärker zinnhaltig ist3. Bergleute wanderten zwischen Sachsen und Böhmen hin und her und brachten dabei auch Neuerungen in Bergbautechnik und Aufbereitung mit. 1 P e i t h n e r , Joh. Art ton: Versuch über die natürliche und politische Geschichte der böhmischen und mährischen Bergwerke. Wien 1780. — S t e r n - b e r g , Graf Kaspar: Geschichte der böhmischen Bergwerke. 3 Bde. 1836—38. — W e i z - s ä c k e r , Wilhelm: Geschichte des Bergbaus in den Sudetenländern. Reichenberg 1928. — R e y e r , Eduard: Die erzführenden Tiefeneruptionen von Altenberg- Zinnwald und über den Zinnbergbau in diesem Gebiet. Jb. d. k. k. Geolog. Reichs- anstalt 29 (1879) 1—60. — D e r s . : Tektonik der Granitergüsse von Neudek und Karlsbad und Geschichte des Zinnbergbaus im Erzgebirge. Jb. d. k. k. Geolog. Reichsanstalt 29 (1879) 405—462. — D e r s . : Zinn. Eine geologisch-montanistisch- historische Monographie. Berlin 1881. — S c h u r t z , Heinrich: Der Seifenbergbau im Erzgebirge und die Walensagen. Stuttgart 1890. — D o r m i z e r , Maximilian und S c h e b e k , Eduard: Die Erwerbsverhältnisse im Böhm. Erzgebirge. Bericht des Centralcomités. Prag 1862. — U r b a n , Mich.: Zur Gesch. d. Zinnbergbaus im nordwestl. Böhmen. Erzgebirgszeitung 25 (1904) H. 6/7. — Die Ortsnamen wur- den nach der amtlichen Schreibung des Orts-Repertoriums für das Königreich Böhmen, Prag 1886, vereinheitlicht. 2 G n i r s , Anton: Bergchronik der Stadt Schlaggenwald. Elbogen. — H a l l w i c h , Hermann: Geschichte der Bergstadt Graupen. Prag 1868. — R i e d l , Alfred: Zur Gesch. d. Bergbaus um Neudek. Neudeker Heimatbrief 43/44 (1953). — M a t t h e s , Erich: Die Anfänge der Bergstadt Platten. Bohjb 1 (1961) 122—152. 3 N o w i c k i , C.: Das Vorkommen des Zinnsteins bei Schlaggenwald und Schönfeld. Nat. Ztschr. Lotos 7 (1857). — W e c k s c h m i d t , Gerhard: Morphologie des Kaiserwaldcs. Ein Beitrag zur Landeskunde von Böhmen. 1936. — R e y e r : Granit- ergüsse. 137 Selbst Bergbauforscher wie Gcorgius Agricola4, hohe Bergbeamte wie Matthes Enderlein5 oder Anton Peithner und viele andere haben auf beiden Seiten gewirkt. Daß auch Verkauf und Verarbeitung des Zinns für beide Länder unter gleichen Gesichtspunkten betrachtet werden müssen, wird die Unter- suchung ergeben. Die Frage, woher das erste mitteleuropäische Zinn stammte, bleibt um- stritten. Treptow 6 sagt, daß mit Zinn aus dem Erzgebirge und Böhmen seit der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts zu rechnen sei. Der Preis für englisches Zinn, das seit dem Altertum sehr begehrt war, fiel 1241 in Köln, dem wich- tigen englischen Handelsplatz, weil es aus Mitteldeutschland billiger ange- boten wurde'. Kam dies aus Graupen oder Schönfeld in Böhmen oder aus Ehrenfriedersdorf in Sachsen? Wahrscheinlich war es „Seifenzinn", das aus Anschwemmungen der Bäche „geseift" wurde, denn die Zinnseifnerei ging meist dem eigentlichen Bergbau auf Zwitter voraus8. Nach meiner Ansicht dürften bereits vor Ausbildung der Seifentechnik Bewohner zinnreicher Täler die großen schwarzen schweren Zinngraupen aus dem hellen Sand der Bäche gesammelt und geschmolzen haben. Aber darüber fehlen natürlich alle Nach- richten. Die Schwemmkegel des Graupener Baches nahe der Prokopikirche9 werden sehr früh ausgebeutet worden sein. Daher ist die sagenhafte Angabe, 1146 sei bei Graupen Zinn gefunden worden, nicht gänzlich von der Hand zu weisen. Aber ebenso könnten zinnführende Anschwemmungen bei Ehren- friedersdorf und Geyer in Sachsen oder bei Schlaggenwald das erste mittel- europäische Zinn geliefert haben. 1305 wird das Zinnbergwerk „crupa" (Grau- pen) urkundlich erwähnt10, d.h. von der Seifenarbeit war man damals bereits zum Erschürfen von Erzgängen übergegangen. Vielleicht waren Ber

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