• Document: Ekel in der Pflege. Über den gesunden Umgang mit ungesunden Substanzen und einem negativen Gefühl. Mag. Dr. Christine Pernlochner-Kügler
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Ekel in der Pflege. Über den gesunden Umgang mit ungesunden Substanzen und einem negativen Gefühl. Mag. Dr. Christine Pernlochner-Kügler 2 Inhalt Einleitung................................................................................................... 3 Kann Ekel „abgewöhnt“ oder „verlernt“ werden? ...................................... 3 Ekel als universelles Gefühl mit Schutzfunktion ....................................... 4 Ekel in medizinischen Situationen ............................................................ 5 Falscher Umgang mit Gefühlen und Bedürfnissen in der Pflege: Ekel, Frustration, Aggression und Krankheit...................................................... 6 Gesunder Umgang mit Ekel erregenden Situationen ............................... 7 Vier Ebenen des Ekelmanagements......................................................... 9 Literatur: .................................................................................................. 12 Dr. Christine Pernlochner-Kügler ch.pernlochner@chello.at – A/0512/934631 3 Einleitung Ich möchte mich für die Einladung zu diesem Vortrag bei den Zuständigen ganz herzlich bedanken. Die Einladung kam für mich ganz plötzlich, vor 14 Tagen, da Dorothee Ringel leider ausfällt. Ich darf Frau Ringel hier vertreten und hoffe, dass ich das auch gut mache. Dorothee Ringels Vortrag „Ekel in der Pflege – eine gewaltige Emotion“ ist nach ihrem Buch benannt. Sie beschreibt darin den Ekel als ein negativ empfundenes Gefühl, das aber eine Schutzfunktion hat, und sie zeigt, wie verleugneter Ekel in der Pflege zur Gewalt gegen die PatientInnen führen kann. Darüber hinaus beschreibt sie sehr brauchbare Strategien zum besseren Umgang mit dem Phänomen „Ekel“ in der Pflege. Mein Schwerpunkt sind die Wechselwirkungen von Scham- und Ekelgefühlen in der Pflege, die in meinem Buch „Körperscham und Ekel – wesentlich menschliche Gefühle“ beschrieben werden. Ich werde mich hier im Vortrag aber vor allem auf den Ekel in der Pflege konzentrieren und die Wechselwirkung der beiden Gefühle „Scham und Ekel“ nur streifen. Über beides zu sprechen, würde den Rahmen dieses Vortrages sprengen. Körper kann man, da sie von der Haut als einem Ausscheidungsorgan überzogen sind, ganz allgemein als mehr oder weniger Ekel erregend betrachten. PflegerInnen arbeiten an und mit allen Teilen des Körpers, und insofern sind sie Ekel erregenden Situationen ausgeliefert. Und zwar tagtäglich. Außerdem werden PflegerInnen mit Ekel erregenden Situationen konfrontiert, mit denen Nicht-PflegerInnen für gewöhnlich kaum in Kontakt kommen: mit künstlichen Ausgängen, mit Inkontinenz, mit großen Wunden und Eiterherden, mit Dekubiti, mit Defekten, Deformationen, Verstümmelungen, mit Prothesen, Epithesen, mit Transplantationen etc. Im Vortrag soll gezeigt werden, dass es nicht sinnvoll und auch nicht möglich ist, den Ekel vor all diesen für die Pflege üblichen ekligen Substanzen, Objekten und Situationen loswerden zu wollen. Im Gegenteil: Die Ideale der Härte und der Ekellosigkeit führen auf Dauer zu Frustration, Krankheit, Aggression und Gewalt gegen die PatientInnen. Darüber hinaus werde ich zeigen, dass es in der Pflege Möglichkeiten gibt, gut und gesund mit negativ empfundenen Gefühlen umzugehen. Davon profitieren die PflegerInnen und nicht zuletzt auch PatientInnen und HeimbewohnerInnen. Kann Ekel „abgewöhnt“ oder „verlernt“ werden? Scham- und Ekelgefühle haben wichtige Schutzfunktionen. Ekel zeigt uns, welche Substanzen toxisch oder infektiös sind, und Scham schützt uns davor, Intimbereiche herzuzeigen und übergriffig zu werden. Interessanterweise schämen wir uns vor allem für jene Körperteile und Körperfunktionen, von denen wir wissen, dass sie für den anderen eklig sind. Und insofern stehen Ekel und Scham gerade in der Pflege in engem Zusammenhang. Dr. Christine Pernlochner-Kügler ch.pernlochner@chello.at – A/0512/934631 4 Wenn man aber mit PflegerInnen über diese Gefühle spricht, dann wird häufig ein alter Mythos wiedergekäut, mit dem sich Menschen in medizinischen Berufen das Leben schwer machen. Der Mythos lautet: „In der Pflege oder in der Medizin ganz allgemein muss man in einen Zustand kommen, in dem man sich vor nichts mehr ekelt. Ekel ist erlaubt, wenn es ganz besonders grausig wird, aber Kotze, Kot, künstliche Ausgänge und Sputum dürfen einem im Grunde nichts ausmachen. Mit der Zeit härtet man ab und irgendwann sind auch die ganz argen Sachen nicht mehr schlimm. Intimwäsche, ganz egal bei wem, und überhaupt die Arbeit mit Körpern sind weder peinlich noch eklig.“ Hinter diesem Mythos

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