• Document: 1.1 Geschichte der Strahlentherapie gutartiger Erkrankungen
  • Size: 107.99 KB
  • Uploaded: 2018-10-22 09:25:33
  • Status: Successfully converted


Some snippets from your converted document:

1 Einleitung Ein schmerzhafter Fersensporn (sFS) ist auch heute noch für viele Patienten der Anfang eines langen Leidensweges, trotz einer Vielzahl von Therapieoptionen (8, 38, 58, 82, 93), die vom behandelnden Hausarzt oder Orthopäden verordnet werden. Der Leidensdruck ist groß, wird doch eine ausreichende und vor allem schmerzfreie Bewegungsfreiheit nicht nur in der Arbeitswelt erwartet, auch ältere Menschen sind in ihrer Aktivität durch die zum Teil heftigen Schmerzen deutlich beeinträchtigt. Als Ursache für die stechenden, brennenden, ausstrahlenden Schmerzen lässt sich sehr häufig schon klinisch im Tastbefund und dann röntgenologisch ein manchmal bis zu 20 mm langer Fersensporn bzw. Calcaneussporn nachweisen. Jedoch bedingt der röntgenologisch nachweisbare Fersensporn nicht immer eine Schmerzsymptomatik, andererseits treten gleichartige Schmerzen auch ohne einen röntgenologisch nachweisbaren Fersensporn auf (84). Dem Patienten werden zur Behandlung viele weitere Therapieoptionen wie Schuheinlagen (Gelkissen), orale (systemisch) oder lokal verabreichte Analgetika, Kortikoide (13) oder Antiphlogistika (16, 19) bis hin zur Gang- und Bewegungsschule (09) und Dehnungsübungen (12, 85) angeboten. Eine Ruhigstellung des Fußes oder eine dauerhafte Gewichtsreduktion ist nur in den seltensten Fällen für den Patienten akzeptabel, physikalische Maßnahmen, wie Massagen, Wärme, Ultraschall oder Reizstrombehandlungen werden oft mehrfach verordnet (15, 87). Eine Stoßwellentherapie zeigte in den Untersuchungen von Nafe und anderen Autoren (20, 37, 50, 54, 76, 82, 93) einen zeitweiligen schmerzlindernden Effekt. Diese Leistung darf nicht zu Lasten der gesetzlichen Krankenkassen verordnet werden. Operative Maßnahmen (06) sind nur bei lang anhaltenden chronischen Schmerzen nach Ausschöpfung aller anderen Therapieoptionen auch wegen der oft beobachteten Rezidive indiziert (08, 13, 14, 38) und gehören nicht zum üblichen Behandlungsspektrum. Aktuell wieder verstärkt in das Bewusstsein der behandelnden Ärzte rückt eine strahlentherapeutische Behandlungsmöglichkeit, die Radiotherapie degenerativ- entzündlicher Prozesse, welche in der Vergangenheit mit guten Erfolgen eingesetzt wurde (49, 17, 46). Bisher oft als ultima ratio genutzt, wird in zunehmendem Maße eine Radiotherapie der schmerzhaften Fersensporne auch als erste und nicht invasive Behandlungsmaßnahme angesehen und verordnet. Ob als Röntgenreiz- oder Entzündungsbestrahlung, Röntgenschwach- oder Tiefenbestrahlung bezeichnet, die Methode ist schon seit 100 Jahren (52) bekannt. Sie 1 wurde und wird in den unterschiedlichsten Formen, den unterschiedlichsten Intervallen und auch von der applizierten Strahlendosis manigfaltigst modifiziert (40, 48, 90). Ausgehend von wissenschaftlichen Untersuchungen in den 30er Jahren durch von Pannewitz wurden vor allem in den letzten ca. 20 Jahren zunehmend standardisierte Applikationsmodi untersucht und verglichen (02, 47, 49, 53, 61, 77, 78, 79). 1.1 Geschichte der Strahlentherapie gutartiger Erkrankungen Im Jahr 1900 wurde der Begriff „Calcaneussporn“ erstmals von Plettner verwendet (56). Röntgenologisch sind exostoseartige Knochenvorsprünge an der plantaren Seite des Calcaneus im Bereich der Plantaraponeurose und der Fußsohlenmuskulatur, manchmal auch am Ansatz der Achillessehne dorsal, nachweisbar (14). Nicht selten treten diese Veränderungen beidseits auf, manchmal auch mit zeitlichem Abstand. 1906 wurde erstmals als Kasuistik die schmerzbefreiende Wirkung der Radiotherapie beschrieben und 1924 durch Heidenhain propagiert. Seit den 30er Jahren (52) liegen erste systematische klinische Untersuchungen von v. Pannewitz vor. Mit der 1952 veröffentlichten Arbeit von Plenk (55), in der eine Strahlentherapie der Periarthritis humeroscapularis mit einer „Placebo“- Bestrahlung verglichen wurde, wurden Zweifel an der Wirksamkeit der Radiotherapie gutartiger Erkrankungen geäußert. In den Arbeiten von Goldie 1970 (18) und Valtonen 1975 (91) wurde dieser Trend unterstützt. Cannon et al. veröffentlichten 1959 einen Beitrag zu Langzeitnebenwirkungen nach mehrfach lokal unkontrolliert wiederholter Strahlentherapie gutartiger Erkrankungen mit auch kosmetisch katastrophalen Folgen für den Patienten. Dieses hatte zur Folge, daß in großen Teilen der westlichen Welt, in denen eine Strahlentherapie der gutartigen Erkrankungen auf Grund der technischen Bedingungen möglich gewesen wäre, diese seitdem als kontraindiziert angesehen wird. Die strahlentherapeutische Behandlung gutartiger Erkrankungen wurde so in Amerika und in den westlichen Ländern Europas zu einer nicht mehr akzeptablen und damit ungenutzten Therapieoption, obwohl es zahlreiche Berichte über deren positive Wirkung auf die Schmerzsymptomatik gab (20, 22, 41). Wissenschaftlicher Fortschritt in anderen medizinischen Fachbereichen und zunehmende materielle Möglichkeiten auch im Gesundheitswesen ermöglichten zudem die Therapie dieser Beschwerde

Recently converted files (publicly available):