• Document: Der Einfluss der Gene auf die Lebenschancen
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Forschungsgruppe Der Einfluss der Gene auf die Lebenschancen Über die Frage, ob die Gene oder die Umwelteinflüsse unsere Fähigkeiten und unsere Persönlichkeit am meisten beeinflusst, wird seit Jahrzehnten gestritten. Eine interdisziplinäre Forschergruppe der Uni Bielefeld untersucht in groß angelegten Studien, wie stark genetische Ursachen eine Rolle für die eigene Position in der Gesellschaft spielen. Von Ingeborg Breuer DNA-Strang: Wie stark sind die Gene für den eigenen gesellschaftlichen Erfolg verantwortlich? (imago/stock&people/Science Photo Library) „Die Soziologie ist ja entstanden als die Wissenschaft, die darauf hinweist, wie prägend soziale Strukturen sind. Nun kann man sagen, wenn es auch noch biologische Ursachen gibt, dann sollen das die Biologen untersuchen, aber es ist nicht unser Geschäft.“ Wenn die Soziologie sich mit sozialen Ungleichheiten beschäftigt, dann versteht sie diese gewöhnlich als gesellschaftliches Problem. Sie blickt zum Beispiel darauf, wie materielle und immaterielle Ressourcen verteilt sind und welche Chancen sich daraus für die einzelnen Mitglieder der Gesellschaft ergeben. Doch was, wenn die Chancen, die jemand in einer Gesellschaft hat, nicht nur durch seine Umwelt, sondern auch genetisch vermittelt sind? Wenn der Mensch nicht als unbeschriebenes Blatt zur Welt kommt und dann von seinen Lebensumständen geformt wird, sondern wenn sein Erbgut bereits sein Verhalten, seine Erfolge und Misserfolge, seine Lebenschancen beeinflusst? Dann, so Professor Martin Diewald, Soziologe an der Uni Bielefeld, müsse die Soziologie sich dieser Tatsache stellen: „Wir haben Beispiele, dass soziale Einflüsse nicht uniform auf Menschen einwirken, sondern dass das durchaus davon abhängig ist, welche genetische Ausstattung wir mitbringen. Damit ist die Soziologie aufgerufen, sich dieses Feld neu zu erschließen.“ Die traditionelle Nichtberücksichtigung von genetischen Ursachen für menschliche Verschiedenheit und Ungleichheit führte in der Soziologie, so Martin Diewald, zu erheblichen Erklärungsdefiziten. Denn Herkunftseinflüsse lassen sich eben nicht als bloß gesellschaftliche Bedingungen beschreiben. Sondern die genetische Ausstattung beeinflusst Gesundheit und Lebenserwartung ebenso wie Bildungserfolg, Berufsaussichten, ja den gesamten Lebensverlauf einer Person. „Es gibt eine Vielzahl von Studien zu diesem Thema.“ Professor Rainer Riemann, Psychologe an der Uni Bielefeld: „Die zeigen, dass sowohl genetische als auch Umweltbedingungen bedeutsam sind für die individuelle Entwicklung aber auch für deren sozialen Status in der Gesellschaft, für Gesundheit, Bildung.“ „Genetische und soziale Ursachen von Lebenschancen“ untersucht eine internationale multidisziplinäre Projektgruppe am Bielefelder Zentrum für Interdisziplinäre Forschung. Psychologen, Biologen, Mediziner, Soziologen und Philosophen erforschen, wie das Zusammenspiel genetischer und umweltbedingter Einflüsse auf Lebenschancen angemessen verstanden werden kann. Martin Diewald und Rainer Riemann leiten diese Forschungsgruppe. Und begleitend dazu haben die beiden im Jahr 2014 noch ein weiteres Forschungsprojekt mit dem Namen „TwinLife“ - also „Zwillingsleben“ – begonnen. In diesem Projekt befragen sie mehr als 4.000 ein- und zweieiige Zwillingspaare über zwölf Jahre und ihre Familien. „Das sind dann eben Zwillinge. Und wir untersuchen auch die Zwillingsfamilien, die leiblichen Eltern wie Stiefeltern, das altersmäßig nächstliegende Geschwister und bei den ältesten, Partnerinnen und Partner, sofern vorhanden. 1.000 pro Geburtsjahrgang, die jüngsten 5, 11, 17, 23.“ Zwillingsstudien als Indikator Zwillingsstudien wie auch Forschungen über die Entwicklung von adoptierten und leiblichen Kindern innerhalb einer Familie waren immer schon wichtig, um zu untersuchen, welchen Anteil die genetische Disposition und welchen die soziale Umwelt auf die Persönlichkeitsentwicklung hat. Denn dabei stieß man auf Unterschiede, die sich durch das soziale Umfeld allein nicht erklären ließen. „Die Grundherangehensweise ist, dass man sich biologische und auch soziale Verwandtschaftsverhältnisse zunutze macht.“ Professor Lars Penke, Psychologe an der Uni Göttingen, über die Ergebnisse früherer Studien: „Dass ein Kind, das in einer Familie aufwächst und mit den Eltern biologisch verwandt ist, den Eltern ähnlicher ist als ein Kind, was in der Familie aufwächst und nicht mit den Eltern verwandt ist, also ein Adoptivkind. Und wenn man eineiige Zwillinge nimmt und mit zweieiigen vergleicht, dann findet man immer, dass man sehr viel höhere Ähnlichkeit bei den genetisch eineiigen Zwillingen hat als bei den zweieiigen, obwohl die in der gleichen Familie aufwachsen, gleich alt sind.“ Lars Penke arbeitet in der Bielefelder Projektgruppe über „Genetische und soziale Ursachen von Lebenschancen“ mit. Einer seiner Forschungsschwerpunkte gilt der Intelligenz, deren Erblichkeit mittlerweile unter Wissenschaftlern außer Frage steht: „Es ist mittlerweile s

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