• Document: Speedminton unterrichten
  • Size: 417.28 KB
  • Uploaded: 2019-02-21 09:39:26
  • Status: Successfully converted


Some snippets from your converted document:

PETRA BÖCKER Speedminton unterrichten In diesem Workshop rückt das Speedminton-Spiel in den Fokus des Sportspielunterrichts. Mit Bezug auf aktuelle sportspieltheoretische Überlegungen und der Skizzierung aktueller Lehrplanentwicklungen werden anhand dieses trendigen Rückschlagspiels einige Leitprinzipien zur Gestaltung von Unterrichtsvorhaben entwickelt, die in konkrete Unterrichtsvorhaben einfließen können und in diesem Workshop praktisch erprobt werden. 1 Der Gegenstand - oder die Wirklichkeit der Sportspiele Sportlehrerinnen und Sportlehrer sehen sich regelmäßig mit neuen Sportarten konfrontiert, die neben den traditionellen Sportarten zum Unterrichtsgegenstand werden können. Diese Entwicklung ist elementar und zeichnet die Sport(Spiel-)kultur aus. Sportspiele sind ein immer neu zu regelndes Ereignis. „Sportspiele sind so gesehen nicht nur ein bereits geregeltes, sondern ein unter verschiedenen Umständen neu zu regelndes Ereignis; sie sind nicht nur die öffentlich organisierte Schau, sondern auch unter Spielwilligen immer neu hervorzubringende soziale Wirklichkeit; Sportspiele sind nicht nur etwas durch Verein und Verbände institutionell Festgelegtes, sondern auch etwas geschichtlich Entstandenes und Wandelbares“ (Dietrich, 1994, S. 10). Sportspiele sind demnach Handlungen zwischen Menschen, in denen diese offenbar einer gemeinsamen Absicht folgen. Nur in diesen aufeinander bezogenen Handlungen sind Spiele existent; allein die gemeinsame Absicht stellt sicher, dass Spiele über eine gewisse Zeit als soziale Wirklichkeit Bestand haben (Dietrich, 1994). Im Kern sind Spiele also bedeutungsoffen und damit wandlungs- und anpassungsfähig. Die Prinzipien der Bedeutungsoffenheit und Wandlungsfähigkeit können einerseits den Zugang jedes Einzelnen zum Spiel(en) erleichtern, andererseits jedoch - wenn das Spiel widersprüchlich interpretiert wird - zum Konflikt unter den Spielenden führen und somit das Spiel zerstören. Um das Spiel wiederherzustellen, ist dann ein Verständigungsprozess notwendig (Dietrich, 1994, S. 10f.). Im Kern begründet sich mit dieser Tatsache, dass Spielen immer als Prozess verstanden werden muss und in jeder Gruppe das jeweilige Spiel in einem gemeinsamen Spielprozess erst hervorgebracht und (weiter-)entwickelt wird. Selbst wenn alle Spieler/innen „auf dem Papier“ die Regeln kennen, zeigt sich erst in der 1 praktischen Realisierung, ob und wie das Spiel funktioniert und an welcher Stelle etwas neu „geregelt“ werden muss. Die Leistungen von Spielerinnen und Spielern ist es somit, Spiele hervorbringen und aufrechtzuerhalten. Diese Fähigkeiten haben Kinder oftmals im ungelenkten Spiel und wenden sie auch an, um erfolgreich zu spielen - es gelingt „auf der Straße“, das Spiel hervorzubringen, es im Fluss zu halten und bei Störungen wiederherzustellen oder zu variieren. „Das ständige Bestreben, „ihr“ Spiel zu sichern, ist Teil des Spiels selbst. Wer dies nicht kann, ist kein Spieler“ (Dietrich, 1994, S. 10). „Spielfähig zu sein bedeutet also mehr, als unter Anleitung Dritter (Lehrer, Spielleiter, ...) ein Spiel zu vollziehen. Neben der Fähigkeit, in einem bereits laufenden oder vororganisierten Spiel mitmachen zu können, müssen gute Spieler auch in der Lage sein, ihr Spiel selbst hervorzubringen, es im Fluss zu halten und ggf. wieder herzustellen – eben es zu inszenieren“ (Dietrich, 1994, S. 12). Dieser Prozess misslingt leider in der Schule allzu häufig, da - so eine Vermutung - die Verantwortung zur Hervorbringung eines funktionierenden Spiels nicht der gesamten Spielgruppe zugetragen wird. In diesem Punkt setzt der nachfolgende Lehrgang an und berücksichtigt dabei den Kern des Sportspiels. Welche konkreten Konsequenzen ergeben sich aus diesem elementaren Spielverständnis heraus für den Sportspielunterricht in der Schule? Die Merkmale Bedeutungsoffenheit, Geschichtlichkeit und Kulturgebundenheit der Sportspiele sind bei der unterrichtlichen Inszenierung der Spiele allgegenwärtig. Sie werden zur Planungsgrundlage der Unterrichtspraxis der Lehrkraft und prägen den Spielgestaltungsprozess im Unterricht selbst, so dass diese in der Praxis für die Schülerinnen und Schüler unmittelbar erfahrbar werden. 2 Speedminton unterrichten Zunächst erfolgt eine Skizzierung des Bewegungsfeldes Spielen in die Lehrpläne. Anschließend wird - mit Bezug auf Kapitel 1 ein exemplarisches Unterrichtsvorhaben vorgestellt. 2.1 Einordnung des Rückschlagspiels Speedminton in das Bewegungs- und Erfahrungsfeld Spielen Blicken wir zuerst in die Lehrpläne, die seit etwa Mitte der 1990er Jahre die Inhalte in Bewegungsfelder, Lern- und Erfahrungsfelder oder Inhaltsbereiche strukturieren. Die Sportspiele sind in einem relativ hohen Umfang im hessischen Lehrplan 2010 verankert. Statt der Festlegung eines verbindlichen Spielekanons sollen strukturelle Gemeinsamk

Recently converted files (publicly available):