• Document: BIOMECHANIK DER LEICHTATHLETIK
  • Size: 472.24 KB
  • Uploaded: 2019-02-13 18:41:32
  • Status: Successfully converted


Some snippets from your converted document:

1 TRAINER BULLETIN- ENTRAINEUR BIOMECHANIK DER LEICHTATHLETIK TEIL SPEERWURF 2 Äussere Kräfte Zu den äusseren Kräften gehören die Schwerkraft, die Luft- und Wasserkraft und die Reibungskraft. Die Erdanziehungskraft bewirkt, dass der Körper nicht nur eine Masse, sondern auch ein Gewicht hat. Sie wirkt kontinuierlich, sowohl im Liegen, als auch im Stehen und beim Sporttreiben. Bei jedem Schritt muss mit der eigenen Muskula- tur die Erdanziehungskraft überwunden werden. Bei einem Sprung oder Wurf in die Höhe wird der Körper oder das Gerät wieder auf die Erde zurückgebracht. Die Erdanziehungs-, Gravitations- oder Schwerkraft ist abhängig von der Masse des Körpers, von der Masse der Erde, dem Erdradius und einer Gravitations- konstanten. Die Schwerebeschleunigung wird definiert als Gravitationskonstante x Erdmas- se / Erdradius2. Daraus ergibt sich für g = 9.81 m / sec2 und für FG = kg x 9.81 m/ sec2 = 9.81 N Die Schwerebeschleunigung wirkt sich dahingehend aus, dass z.B. beim freien Fall die Geschwindigkeit des Körpers immer mehr zunimmt und so beispiels- weise ein Stabhochspringer, der 6 m hoch springt bei der Landung eine deutlich grössere Landegeschwindigkeit und demnach einen grösseren Impuls hat als ein Springer, der nur 3 m hoch springt. Die geringere Erdanziehungskraft, kombiniert mit dem geringeren Luftwider- stand, haben 1968 bewirkt, dass in Mexiko, bei den olympischen Spielen, die Leistungen in den Kurzstrecken- den Sprung- und Wurfdisziplinen überdurch- schnittlich gut ausgefallen sind. Die Schwerkraft bestimmt auch, mit welchen Abflugwinkeln möglichst hoch, beziehungsweise weit gesprungen und geworfen werden kann. Um eine möglichst grosse Flughöhe zu erreichen gilt die Formel: H = v02 / 2g x sin2 Da sin 90° = 1 und damit das Quadrat am grössten ist, ergibt sich für maximale Sprunghöhen ein optimaler Abflugwinkel von 90°. Weil aber im Hochsprung bei einem Abflugwinkel von 90° der Springer auf die Latten fallen würde und somit die Latte nicht überqueren kann, ergeben sich für den Flop Abflugwinkel von 50 –55° und für den in dieser Beziehung theoretisch besseren Straddle Ab- flugwinkel von 55 – 60°. Der optimale Abflugwinkel im Hinblick auf eine möglichst grosse Sprung- be- ziehungsweise Wurfweite ergibt sich aus der Formel: W = v02 / g x sin 2  Da sin 90° = 1 ist, beträgt der optimale Abflugwinkel 45°. 3 Beim Speerwerfen ist auch die Abfluggeschwindigkeit die entscheidende Grös- se. Hier sind aber steilere Abflugwinkel möglich (Abbildung 17). Der optimale Abflugwinkel liegt beim Speerwerfen bei 35 – 38°. Er ist deswegen tiefer als 45°, weil der Speer Segeleigenschaften hat und die Landeebene leicht tiefer ist als die Abwurfebene (siehe auch Abbildung 5). Beim Diskuswerfen ist die Si- tuation ähnlich wie beim Speerwerfen, wogegen beim Hammerwerfen und beim Kugelstossen der optimale Abflugwinkel, auch in Abhängigkeit der Wurfweite, knapp unter 45° liegt. Abbildung 17: Abflug- und Anstellwinkel beim Speerwerfen Luft- und Wasserkraft sind Widerstände, welche die Bewegung beeinträchtigen. Die Wasserkraft hat in der Leichtathletik keine Bedeutung. Der Luftwiderstand ist abhängig von der Widerstandszahl, der Dichte der Luft, der Strömungsge- schwindigkeit und der Stirnfläche. FL = cw x  / 2 x v2 x A Die Widerstandszahl ist abhängig z.B. von der Bekleidung. Sie spielt in der Leichtathletik keine grosse Rolle, weil die Strömungsgeschwindigkeit nicht so gross ist wie beispielsweise beim Radfahren oder beim Skiabfahrtslauf. Die Dichte der Luft ist deutlich geringer als die Dichte des Wassers und dementspre- chend ist auch der Widerstand geringer. Die Dichte nimmt auch mit zunehmen- der Höhe ab, was bedeutet, dass in der Höhe deswegen schneller gelaufen wer- den kann. Die entscheidende Grösse beim Luftwiderstand ist die Strömungsge- schwindigkeit, weil sie im Quadrat in der Formel enthalten ist. Das heisst: Eine Verdoppelung der Geschwindigkeit bedeutet einen 4 mal so grossen Widerstand. Schnelle Sprinter sind in bezug auf den Luftwiderstand vor allem bei Gegen- 4 wind gegenüber den langsamen etwas benachteiligt, weil sie einen grösseren Luftwiderstand überwinden müssen. Bei den Wurfdisziplinen und dort vor allem beim Speer- und Diskuswerfen spielt die Luftkraft eine entscheidende Rolle. Wenn der Speer perfekt in die Luft abgegeben wird, das heisst der Anstellwinkel  und der Abflugwinkel  iden- tisch sind, ist der Luftwiderstand von vorne gering. Mit zunehmender Differenz zwischen Anstell- und Abflugwinkel, also einer grossen Stirnfläche A, nimmt auch der Luftwiderstand zu und dies vor allem bei hohen Abfluggeschwindig- keiten (siehe Abbildung 17). In der Flugphase, wenn sich der Anstellwinkel des Gerätes in Richtung horizontale Position verändert, erhält der Speer einen Auf- trieb, weil die Luftstromlinien oberhalb des Gerätes enger sind als unterhalb. Diese Situation ist vergleichba

Recently converted files (publicly available):